Cat Got Your Tongue? hand-signed art print by Paintranger, a goldfish in its tiny transparent world watched by a huge cat, gurokawa art about neurodivergence

Gurokawa und Neurodivergenz: Warum sich süß und gruselig wie Zuhause anfühlt

Claudia Schmidt

Kleiner Hinweis: Dieser Shop wird auf Englisch geschrieben. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, deshalb kann sich hier und da mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, schreib es mir gern.

Ich bin autistisch und habe ADHS, und mit den Jahren ist mir etwas aufgefallen: Erstaunlich viele der Leute, die sich in meine süß-gruseligen Bilder verlieben, erzählen mir, dass sie auch neurodivergent sind. Natürlich nicht alle. Aber so viele, dass ich nicht mehr an Zufall glaube.

Gurokawa (du findest es auch als Guro Kawaii oder Gurokawaii) ist das japanische Wort für grotesk niedlich. Ich glaube, es spricht viele neurodivergente Köpfe aus Gründen an, die viel tiefer gehen als „mag halt Totenköpfe und Pastellrosa“. Hier ist mein Versuch, das zu erklären.

Kurz vorweg: Ich bin Künstlerin, keine Psychologin. Das hier kommt aus meinem eigenen Leben und aus vielen Gesprächen mit Leuten, die meine Kunst kaufen, nicht aus einer Studie.

Zwei Gefühle gleichzeitig, ohne sich entscheiden zu müssen

Die meisten neurodivergenten Menschen, die ich kenne, fühlen Dinge sehr stark und in mehreren Schichten. Freude, durch die sich ein Faden Angst zieht. Trauer, die irgendwie auch lustig ist. Die Welt will meistens, dass du dich für ein Gefühl entscheidest und es ordentlich präsentierst.

Gurokawa entscheidet sich nicht. Ein Flamingo-Skelett auf einer Geburtstagsparty ist fröhlich und gleichzeitig ein Bild über den Tod, und niemand im Bild entschuldigt sich dafür. Für ein Gehirn, das selten ein einziges klares Gefühl hat, ist das seltsam beruhigend. Es sieht so aus, wie sich mein Kopf von innen anfühlt.

Eine süße Oberfläche, unter der viel los ist

Masking nennt man es, wenn du deine neurodivergenten Eigenschaften versteckst, um nicht aufzufallen: eingeübter Small Talk, erzwungener Blickkontakt, ein freundliches Gesicht, während im Kopf alles brennt. Viele von uns machen das den ganzen Tag.

Gurokawa ist im Grunde Masking als Bild. Außen hübsch, darunter passiert viel mehr. Wenn ich eine süße Szene male und Knochen zwischen die Erdbeeren schiebe, will ich niemanden schocken. Ich male, wie es sich anfühlt, mit einem höflichen Lächeln durch einen Supermarkt mit viel zu vielen Lampen zu laufen.

Cat Got Your Tongue? handsignierter Kunstdruck von Paintranger, ein Goldfisch in seiner kleinen durchsichtigen Welt, über dem eine riesige Katze aufragt, ein Bild über Blickkontakt und Beobachtetwerden

Cat Got Your Tongue? ist die direkteste Version davon, die ich je gemalt habe. Ein Goldfisch, gefangen in seiner kleinen durchsichtigen Welt, während eine riesige Katze hineinschaut. Es geht um Blickkontakt, ums Beobachtetwerden und darum, dass jeder Gedanke weg ist, sobald jemand darauf wartet, dass du etwas sagst. Es sieht süß aus. Es ist kein süßes Gefühl.

Weiche Dinge sind auch nach 30 noch erlaubt

Viele autistische Erwachsene lieben Kuscheltiere, Cartoons, knallige Farben und niedliche Figuren, und vielen von uns wurde irgendwann gesagt, dass wir da langsam mal rausgewachsen sein sollten. Gurokawa löst dieses Problem ganz leise. Die dunkle Kante lässt das Niedliche erwachsen genug wirken, dass keiner komisch guckt, und du darfst das behalten, was dich tröstet.

Ich finde nicht, dass das ein Trick ist. Ich finde, es ist ehrlich. Das Erwachsenenleben hat Knochen drin. Natürlich haben dann auch die süßen Sachen, die wir als Erwachsene lieben, Knochen drin.

Details, in denen man sich verlieren kann

Meine Bilder sind voll. Kleine Wesen in den Ecken, sich wiederholende Muster, kleine Witze, die du erst beim fünften Hinschauen findest. Für viele Menschen mit ADHS oder Autismus ist das kein visuelles Rauschen, sondern etwas, womit die Augen beschäftigt sind, während der Kopf zur Ruhe kommt. Mehr dazu habe ich in Stimming mit Farbe geschrieben.

Gurokawa legt noch etwas obendrauf: die Suche. Wo ist diesmal der Totenkopf? Was genau stimmt an diesem Bild nicht? Das macht aus dem Anschauen ein kleines Spiel, und so ein kleines Spiel ist genau das, was mein Gehirn will, wenn alles andere zu laut ist.

Schwarzer Humor als Bewältigung

Viele von uns verarbeiten schwere Dinge mit einem Humor, bei dem andere ein bisschen unruhig werden. Ich habe mich nach meiner Dissektion der Halsschlagader durch sehr viel Angst gemalt, und geholfen haben mir nie die düsteren Bilder. Geholfen haben die, in denen etwas Süßes direkt neben dem Beängstigenden saß und es so klein gemacht hat, dass ich hinschauen konnte.

Not Today, The Feelings Are Huge handsignierter Kunstdruck von Paintranger, eine schwarze Katze zwischen Seelenfutter, Wein und Taschentüchern in einem knallrosa Zimmer

Not Today, The Feelings Are Huge hat genau diese Energie: eine schwarze Katze zwischen Seelenfutter, Wein und Taschentüchern, in einem Zimmer, das so rosa ist, dass es fast wehtut. Große Gefühle, mit Snacks bewältigt.

Was es in dein Zuhause bringt

Das ist der Teil, der mir am wichtigsten ist. Ein Gurokawa-Bild an deiner Wand ist eine kleine, dauerhafte Erlaubnis. Die Erlaubnis, weich und seltsam zugleich zu sein. Die Erlaubnis, zwei Dinge gleichzeitig zu fühlen. Die Erlaubnis, das Dunkle lustig zu finden, ohne deshalb ein schlechter Mensch zu sein. Mir bringt es jeden Tag mehr, das anzuschauen, als jeder Motivationsspruch es je könnte.

Wenn du dich hier wiedererkennst

Du brauchst keine Diagnose, um Gurokawa zu lieben, und wer es liebt, ist deshalb nicht automatisch neurodivergent. Aber wenn du schon mal gespürt hast, dass süß und gruselig zusammengehören, und dir dabei ein bisschen komisch vorkamst, bist du hier in sehr guter Gesellschaft.

Jeder handsignierte Druck kostet 35 Euro und ist von mir signiert. Wenn du für jemand anderen suchst, ist meine Liste mit Geschenken für neurodivergente Freunde ein guter Anfang. Für das große Ganze lies als Nächstes Gurokawa, Guro Kawaii oder Gurokawaii? oder meine längere Geschichte darüber, wie es ist, als Künstlerin autistisch zu sein und ADHS zu haben.

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