Not Today, The Feelings Are Huge hand-signed print by Paintranger, a black cat on a couch surrounded by comfort food in a saturated pink room

Die Box, die ich noch nicht aufgemacht habe – Meine Karotisdissektion und wie mein Stil entstanden ist

Claudia Schmidt

Kleiner Hinweis: Ich schreibe alles hier zuerst auf Englisch. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, da kann sich mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, sag mir gern Bescheid.

Angefangen hat alles mit einem Sturz. Kein dramatischer. Beim Ju-Jutsu habe ich zum Üben eine Rolle über jemanden drüber gemacht und bin auf dem Nacken gelandet. Nicht auf dem Kopf, nichts sah schlimm aus, und danach war erst mal alles okay. Nur dieser leise Gedanke im Hinterkopf: Das war nicht gut.

Genau das finde ich im Nachhinein so gruselig. Es war so ein normaler Moment.

In den nächsten zwei Tagen wurde mir dann immer komischer. Schwindelig, irgendwie neben mir. Und dann kam alles auf einmal: Mein Augenlid hing runter, ich hatte eine heftige Migräne, Nackenschmerzen, meine linke Seite fühlte sich seltsam an, und eine Pupille war plötzlich größer als die andere.

Ich bin ins Krankenhaus. Und da hieß es dann: Mit deiner Halsschlagader stimmt was nicht.

Ich konnte das kaum begreifen. Ich kam sofort auf die Schlaganfallstation und hing rund um die Uhr an irgendwelchen Geräten. In den Tagen danach wurde ich immer schwächer. Am Ende war meine Karotis zu 90 Prozent zu.

Die Zeit im Krankenhaus habe ich bis heute nicht wirklich verarbeitet. Ich konnte mir einfach nicht klarmachen, dass das böse ausgehen kann. Mein Kopf hat da komplett zugemacht.

Zuhause wurde es erst richtig schwer

Daheim war ich nicht einfach in Sicherheit. In den ersten Wochen war das Schlaganfallrisiko höher, ich musste starke Blutverdünner nehmen. Oft ging es mir richtig komisch, und manchmal kamen diese Schwindelanfälle. Die haben so starke Panikattacken ausgelöst, dass ich zitternd auf dem Boden saß.

Am Anfang habe ich nicht mal 100 Meter geschafft. Irgendwann in dieser Zeit hat sich eine Angststörung entwickelt.

Und dann kamen die Füchse

Irgendwann habe ich wieder angefangen zu malen. Zuerst waren es Füchse, Füchse im Jenseits. Die sehen ziemlich jung aus, und irgendwie hab ich genau das gebraucht. Die Bilder sind traurig, aber sie haben auch eine Ruhe, und vielleicht war es genau diese Ruhe, die ich gesucht habe.

Als es mir langsam besser ging, wurden die Bilder wieder bunter. Lauter, süßer, knalliger. Aber die Vergänglichkeit ist geblieben. Die steckt in jedem Bild, auch in den niedlichen.

Da habe ich gemerkt, wie sehr ich Kontraste liebe. Das ganze Leben ist ein Kontrast. Leben und Sterben. Neurodivergent und neurotisch. Süß und vergammelt. Ruhe und Panik im selben Körper, manchmal am selben Nachmittag. Genau aus dieser Spannung ist Candy Decay entstanden.

Professionelle Gefühlsvermeiderin

Ich schreibe das hier, weil ich es mal wieder angehen muss.

Lange saß ich wie die Katze in Not Today, The Feelings Are Huge auf meiner Couch: umgeben von lauter Trostkram und ziemlich professionell darin, jedem Gefühl aus dem Weg zu gehen. Und ehrlich gesagt braucht man das manchmal auch, um eine Weile durchzuhalten.

Handsignierter Print Not Today, The Feelings Are Huge von Paintranger, eine schwarze Katze auf der Couch zwischen Trostessen in einem knallpinken Zimmer

Aber ich glaube, langsam wird es Zeit, die Box aufzumachen. Die, in der all das steht, woran ich mich bisher nicht rangetraut habe. Nicht alles auf einmal und auch nicht perfekt. Erst mal nur den Deckel.

Falls du gerade auch auf deiner Couch sitzt und deine eigene Box ignorierst: Ich auch. Du bist damit nicht allein.

Mehr dazu, wie mich das geprägt hat, findest du in Wie eine Karotisdissektion meine Kunst verändert hat und Wie mir Kunst hilft, medizinisches Trauma, Sterblichkeit und Angst zu verarbeiten. Und die Katze gibt es als handsignierten Print.

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