Besser werden als Künstler: 15 Tipps, die meine Bilder für immer verändert haben
Claudia SchmidtTeilen
Kleiner Hinweis: Dieser Shop wird auf Englisch geschrieben. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, deshalb kann sich hier und da mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, schreib es mir gern.
Wenn du besser malen, deinen eigenen Stil entwickeln oder einfach weiterkommen willst: Das hier sind die Lektionen, die mir am meisten geholfen haben. Ich bin komplett Autodidaktin, und ich glaube nicht, dass es den einen richtigen Weg zur Künstlerin gibt. Das sind schlicht die Erfahrungen, die meine Arbeit über die Jahre geformt haben. Manche kommen vom realistischen Zeichnen, andere von abstrakter Malerei, digitaler Kunst, vom Herumprobieren mit Mixed Media und, ganz ehrlich, von jeder Menge Fehlern. Vielleicht ist für dich ja auch etwas dabei.
1. Lerne, wirklich zu beobachten
Was meine Kunst am meisten vorangebracht hat, war realistisches Zeichnen. Nicht, weil ich für immer Realismus malen wollte, sondern weil Realismus dir das Sehen beibringt. Jahrelang habe ich Porträts gemalt, vor allem Augen. Am Anfang malst du einfach ein Auge. Später fallen dir winzige Reflexionen auf, feine Farbwechsel in der Iris, der weiche blaugraue Limbusring drumherum, warme Schatten neben kühlen und unzählige kleine Details, die kaum jemand bewusst wahrnimmt. Wenn deine Augen einmal so beobachten gelernt haben, kannst du das auf absolut alles anwenden. Beim realistischen Zeichnen geht es meiner Meinung nach gar nicht um Realismus. Es geht darum, dein Sehen zu trainieren.
2. Male abstrakt
Abstrakte Malerei hat meine Arbeit viel stärker beeinflusst, als mir damals klar war. Sobald du dir keine Sorgen mehr machst, ob Objekte korrekt aussehen, denkst du automatisch über Komposition, Balance, Rhythmus, Textur und Farbharmonie nach. Ich habe jahrelang experimentiert, ohne irgendetwas Realistisches machen zu wollen, und rückblickend wurden genau diese Bilder zur Grundlage für jeden Candy-Decay-Hintergrund, den ich heute male. Nebenbei habe ich entdeckt, zu welchen Farben ich ganz von selbst greife. Ich habe nie entschieden, dass Neonpink Teil meiner künstlerischen Identität wird. Es tauchte einfach immer wieder auf, bis ich merkte, dass es sich nach Zuhause anfühlt.
3. Achte mehr auf Hellwerte als auf Farben
Leute machen mir oft Komplimente für meine Farbwahl und fragen, ob ich Farbenlehre studiert habe. Die Wahrheit: Ich kenne nur die Grundlagen. Das meiste weiß ich, weil ich über viele Jahre hunderte Bilder gemalt habe. Eine Erkenntnis hat alles verändert: Ich habe aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, welche Farbe etwas haben sollte, und angefangen, viel mehr darauf zu achten, wie hell oder dunkel es sein muss. Ein Baum muss nicht grün sein. Er kann lila sein, mit pinken und blauen Lichtern, und wirkt trotzdem glaubwürdig, solange die Hellwerte stimmen. Als ich das verstanden hatte, wurde die Farbwahl intuitiv statt stressig.
Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum meine Bilder trotz unrealistischer Farben glaubwürdig wirken. Ich verbringe viel Zeit mit Reflexionen, Kratzern, glänzenden Lichtern und winzigen Texturen. Unser Gehirn verbindet solche Details mit Realismus. Selbst unmögliche Farben überzeugen dann, weil sich das Licht realistisch verhält.
4. Digitale Kunst hat mir beigebracht, anders zu denken
Eine ganze Weile habe ich hauptsächlich Gitarreneffektpedale digital illustriert. Nicht gerade die spannendsten Motive, also musste ich mich ständig fragen: "Wie mache ich das beim Anschauen befriedigender?" Digitales Malen hat mir beigebracht, Formen zu vereinfachen, Lichter zu übertreiben, sauberere Schatten zu setzen und stärkere Kompositionen zu bauen. Bis heute denke ich beim Arbeiten wie eine Digitalkünstlerin, obwohl ich vor allem traditionell male. Viele der glänzenden Lichter, Schriftzüge und grafischen Elemente in meinen Bildern kommen direkt aus dieser Zeit.
5. Hab keine Angst davor, Materialien zu mischen
Enorm geholfen hat mir, die Idee loszulassen, dass ein Bild in einem einzigen Medium bleiben muss. Wenn Acrylmarker mir nicht genug Tiefe geben, kommen Alkoholmarker dazu. Wenn ich weiche, glühende Flammen will, nehme ich oft Ölfarbe, weil die sich wunderbar verblenden lässt. Wenn Resin genau das Finish erzeugt, das ich im Kopf habe, dann wird Resin eben Teil des Bildes. Ich wähle Materialien nicht aus Loyalität. Ich wähle sie, weil sie den Effekt hinbekommen, den ich mir vorstelle. Jedes Medium hat seine Stärken, und ich kombiniere sie gern.
6. Investiere in Materialien, die Lust aufs Malen machen
Gute Materialien machen dich nicht auf magische Weise zu einer besseren Künstlerin, aber sie nehmen dir unnötigen Frust ab. Noch wichtiger: Probier möglichst viel aus, solange du am Lernen bist. Experimentiere mit allem, was dich interessiert. Acrylmarker, Alkoholmarker, Ölfarben, Buntstifte, Tusche, Resin, jedes Medium bringt dir etwas Neues bei. Klar, Einschränkungen können auch Kreativität auslösen, aber ich habe viel mehr aus der Freiheit gelernt als daraus, mich zu früh selbst zu begrenzen.
7. Studiere Künstler, die du bewunderst
Ich glaube ehrlich, dass Bilder zum Üben abzumalen einer der schnellsten Wege ist, besser zu werden, solange du es tust, um zu lernen, und nicht, um sie zu verkaufen oder als deine auszugeben. Jedes Mal, wenn du das Bild einer anderen Künstlerin nachbaust, stellst du bessere Fragen. Warum funktionieren diese Farben zusammen? Warum wirkt diese Komposition ausgewogen? Wie haben sie dieses Objekt so glänzend hinbekommen? Jeder Künstler, den ich bewundert habe, hat mir etwas anderes beigebracht, und mit der Zeit haben sich all diese Einflüsse vermischt, bis daraus langsam meine eigene Bildsprache wurde.
8. Male Dinge, bei denen du etwas fühlst
Irgendwann habe ich aufgehört, Dinge zu malen, die einfach nur "schön" waren. Stattdessen stelle ich mir nach jedem fertigen Bild eine Frage: Fühle ich tatsächlich etwas, wenn ich es anschaue? Dabei ist egal, ob das Gefühl Freude, Nostalgie, Traurigkeit, Unbehagen oder Staunen ist. Wenn ein Bild etwas auslöst, bleibt es hängen. Technisches Können ist wichtig, aber es ist die Emotion, die Kunst bei jemandem bleiben lässt.
9. Kombiniere Dinge, die nicht zusammengehören
Die meisten meiner Ideen entstehen, indem ich völlig zusammenhanglose Objekte zusammenwerfe. Eine Taube, die Pizza isst. Ein Goldfisch, gefangen in einem Eiswürfel. Knochen neben Erdbeeren. Ein Fisch, der in einem Eisbecher sitzt. Solche Kombinationen erzeugen sofort Neugier, weil unser Gehirn verstehen will, warum diese Dinge zusammen existieren. Neugier ist für mich eines der stärksten kreativen Werkzeuge überhaupt.
10. Nimm dir Zeit
Viele meiner Bilder sind nur 15 × 15 Zentimeter groß, trotzdem verbringe ich oft dreißig Minuten mit einem einzigen Quadratzentimeter. Winzige Kratzer, Reflexionen, Texturen und versteckte Details nimmt nicht jeder bewusst wahr, aber zusammen erzeugen sie Realismus. Mir Zeit zu nehmen hat meine Bilder wahrscheinlich mehr verbessert, als es je ein teures Material könnte.
11. Mach Pausen
Meine Bilder stecken voller kleiner Herausforderungen, und ich weiß aus Erfahrung: Wenn ich stundenlang draufstarre, werde ich irgendwann blind für Fehler. Eine Weile weggehen verschafft mir frische Augen. Fast jedes Mal, wenn ich zurückkomme, sehe ich sofort Dinge, die ich vorher komplett übersehen hatte. Manchmal ist das Beste, was du für ein Bild tun kannst, es eine Stunde in Ruhe zu lassen.
12. Leg dich auf ein Format fest
Überraschend hilfreich war, mich auf ein einheitliches Format festzulegen. Fast alle meine Originale entstehen auf 15 × 15 cm Holzplatten mit schwarzen Kanten. Das klingt einschränkend, gibt mir aber mehr kreative Freiheit. Ich verbrauche keine Energie mehr für Leinwandgrößen, Untergründe oder Kantenfarben. Diese Entscheidungen sind schon gefallen, also geht meine ganze Aufmerksamkeit ins Bild selbst.
13. Bau dir eine visuelle Bibliothek
Jedes Objekt, das du malst, bringt dir etwas bei. Jede Erdbeere, jeder Schädel, jeder Fisch, jedes glänzende Bonbonpapier, jede Biene, jede Blume wird Teil deines visuellen Gedächtnisses. Mit der Zeit wächst da eine riesige innere Bibliothek aus Texturen, Reflexionen, Formen und Lichtsituationen. Irgendwann musst du nicht mehr alles neu erfinden, weil du schon so viel von der Welt um dich herum studiert hast.
14. Mal viele Bilder fertig
Bilder wirklich fertig zu malen ist einer der schnellsten Wege, besser zu werden. Jedes fertige Bild bringt dir etwas bei, das eine Skizze nie kann. Du merkst, was funktioniert hat, was nicht, was du beim nächsten Mal anders machen würdest und welche Techniken es wert sind, wiederholt zu werden. Quantität führt tatsächlich zu Qualität, weil jedes fertige Stück zur Lektion für das nächste wird.
15. Bleib neugierig
Und zum Schluss: Verlier nie deine Neugier. Die meisten meiner Bilder beginnen mit einer simplen Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn ein Huhn auf einer Banane über den Ozean reitet und dabei nach Erdbeeren angelt? Was wäre, wenn Knochen durch den Himmel schweben? Was wäre, wenn Verfall sich irgendwie tröstlich anfühlen könnte? Aus diesen seltsamen Fragen wurde irgendwann Candy Decay. Diese Neugier zu schützen war wohl das Wertvollste, was ich als Künstlerin je getan habe.
Zum Schluss
Rückblickend hat nichts davon meine Kunst über Nacht verwandelt. Es hat sich über viele Jahre langsam gestapelt, bis daraus wurde, was Leute heute als meinen Stil erkennen. Ich experimentiere immer noch, ich scheitere immer noch, und ich lerne immer noch aus fast jedem Bild, das ich male.
Wenn du eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann bitte diese:
Deinen Stil entdeckst du nicht plötzlich. Du baust ihn auf, Bild für Bild.
Wenn du diese Lektionen in Aktion sehen willst, lies Wie ich meinen Stil gefunden habe: Candy Decay, oder schau bei meinen Materialien hinter die Kulissen in Mein Candy-Decay-Prozess.