Pancakes and Bees hand-signed art print by Paintranger, a bright playful painting made in a small square format

Kreative Hobbys für Erwachsene mit ADHS oder Autismus (von einer, die beides hat)

Claudia Schmidt

Kleiner Hinweis: Ich schreibe alles hier zuerst auf Englisch. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, da kann sich mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, sag mir gern Bescheid.

Jede Liste mit kreativen Hobbys scheint für Leute geschrieben zu sein, die sich ein Set kaufen, es Schritt für Schritt abarbeiten, fertig machen und ins Regal stellen. Das habe ich noch nie geschafft. Ich bin autistisch und habe ADHS, ich habe schon beeindruckend viele Hobbys wieder hingeschmissen, und bei den wenigen, die geblieben sind, hatte das Gründe, die in keiner dieser Listen stehen.

Deshalb hier die Liste, die ich mir damals gewünscht hätte. Nicht, was theoretisch Spaß macht, sondern was bei einem Kopf wie meinem tatsächlich hängen bleibt.

Such dir ein Hobby danach aus, wie es funktioniert, nicht nach schönen Fotos

Vier Fragen entscheiden fast alles:

  • Wie lange dauert es, bis du ein Ergebnis siehst? Wenn du schnell etwas sehen musst, ist ein Projekt, das erst nach sechs Wochen etwas hergibt, kein Hobby, sondern ein Dauervorwurf im Regal.
  • Wie viel Aufwand ist es, an einem ganz normalen Tag anzufangen? Damit ist nicht Geld gemeint, sondern Vorbereitung. Wenn du erst zwanzig Minuten den Tisch freiräumen musst, lässt du es an einem schlechten Tag bleiben, und schlechte Tage sind die meisten.
  • Wie fühlt es sich an? Oberflächen, Gerüche, Geräusche, klebrige Finger. Das ist keine Nebensache. Davon hängt ab, ob du es überhaupt im Raum aushältst.
  • Was passiert, wenn du drei Wochen Pause machst? Manche Hobbys warten geduldig auf dich. Bei anderen ist danach alles eingetrocknet, verkrustet oder verschimmelt, oder du verstehst deine eigenen Notizen nicht mehr. Und dann fängst du nie wieder an.

Wenn du diese Fragen beantwortest, bevor du irgendwas kaufst, bleiben ganz von selbst nur noch ein paar Hobbys übrig.

Wenn dein Kopf ständig Neues braucht

Das typische ADHS-Muster: Anfangen ist großartig, danach zieht es sich endlos. Dann brauchst du etwas, das schnell zu einem Ergebnis führt, wenig kostet und genug Abwechslung bietet, damit es nicht langweilig wird.

  • Collage und Junk Journal. Das Problem mit dem leeren Blatt gibt es hier nicht, denn sobald der erste Schnipsel klebt, hast du schon angefangen. Das Material hast du meistens eh zu Hause.
  • Aquarell und Tusche. Schnell, unberechenbar, in einer Stunde fertig. Die Farbe macht die halbe Arbeit, und ewig daran herumfeilen geht sowieso nicht.
  • Sticker und Zines. Nach einem Abend hältst du etwas Fertiges in der Hand und kannst es jemandem schenken. Das allein macht schon glücklich.
  • Stempel schnitzen und Linoldruck. Das Schnitzen ist herrlich befriedigend, und beim Drucken hast du in zehn Minuten zehn Ergebnisse.
  • Fotografieren. Nichts aufzubauen, das Handy hast du immer dabei, es gibt ständig Neues und keine Trockenzeit.
  • Ausmalbilder. Nicht gerade angesagt, aber sie funktionieren wirklich. Der Bildaufbau steht schon, du machst nur den Teil, der Spaß macht.

Wenn dein Kopf Wiederholung und Details braucht

Das andere Muster, und das ist genauso verbreitet: Du willst Regeln, Kontrolle, ein klares Ergebnis und die Ruhe, die kommt, wenn du lange dieselbe Bewegung machst.

  • Mit Tusche zeichnen, schraffieren, punktieren. Papier, ein Stift, stundenlange Wiederholung. Günstig, überall machbar, und man lernt nie aus.
  • Kreuzstich, Sticken, Stricken, Häkeln. Man kann zählen, es gibt klare Regeln, und du siehst, wie es vorangeht. Das ist leise, aber sehr befriedigend.
  • Pixel Art. Ein Raster, eine feste Farbpalette, klare Entscheidungen, und du kannst alles rückgängig machen. Ideal, wenn dich Ungenauigkeit stört.
  • Miniaturen und Modelle bemalen. Winzig, kontrolliert, und es wartet immer schon die nächste.
  • Perlen, Weben, Makramee, Buchbinden. Etwas für die Hände, mit festem Rhythmus und einem klaren Ende.
  • Diamond Painting und Malen nach Zahlen. Viele rümpfen darüber die Nase. Dabei bekommst du Wiederholung, Ordnung und ein sicheres Ergebnis, und genau das braucht man an manchen Abenden.

Strawberry Tarte No. 06, handsignierter Print aus den Food Studies von Paintranger: ein kleines quadratisches Bild aus einer nummerierten Serie

Wenn beides zutrifft, wird es knifflig

So ist es bei mir. Ich will Abwechslung und gleichzeitig, dass alles immer gleich ist. Ich will laute Ergebnisse und trotzdem alles unter Kontrolle haben. Beides in einer Beschäftigung unterzubringen klappt nur, wenn du es bewusst so einrichtest.

Was bei mir funktioniert: Der Rahmen bleibt immer gleich, der Inhalt darf wild sein. Immer dasselbe kleine Format, immer dieselben paar Materialien, immer derselbe Abschluss, und darin male ich jeden Quatsch, auf den ich Lust habe. Meine Originale sind alle 15 × 15 Zentimeter groß und haben schwarze Kanten, ich male Tiere und Essen, und die Serien sind nummeriert, damit kein einzelnes Bild besonders wichtig sein muss.

Für ein Hobby heißt das: ein Papierformat, eine Kiste mit Material, ein fester Platz zum Arbeiten. Die Abwechslung steckt dann in dem, was du machst, und du brauchst nicht alle drei Wochen ein neues Hobby.

Ausführlich erkläre ich das in Welcher Kunststil passt zu mir?

Das Sensorische, vor dem dich keiner warnt

  • Geruch. Ölfarbe und Lösungsmittel, Epoxidharz, manche Kleber und Marker. Wenn du empfindlich bist, probier das erst aus, bevor so ein Hobby bei dir im Wohnzimmer einzieht.
  • Haptik. Bei Ton, Pappmaché, Pastellkreide und roher Leinwand geht es zuerst darum, wie sie sich anfühlen, und erst danach ums Hobby. Für manche ist genau das das Schönste daran, für andere ein absolutes No-Go.
  • Geräusche. Scheren, kratzende Stifte, Nähmaschinen. Achte darauf, bevor du dir die Maschine kaufst.
  • Dreck. Das ist kein Charakterfehler, sondern einfach etwas, das du einplanen musst. Wenn dich das Aufräumen danach abschreckt, such dir etwas, das auf ein Tablett passt.
  • Licht. Feine Arbeit bei schlechtem Licht macht keinen Spaß. Eine günstige Tageslichtlampe bringt mehr als ein besserer Stift.

Leuchtende, sich wiederholende Farben sind für mich ein Bedürfnis und keine Stilfrage. Darüber habe ich in meinem Artikel über Stimming mit Farbe geschrieben.

Anfangen, ohne Geld zu verschwenden

  • Kauf erst mal die kleine Version. Das große Deluxe-Set ist kein Bekenntnis, es setzt dich nur unter Druck. Mit einem kleinen Set weißt du nach einer Woche, ob dir die Tätigkeit liegt.
  • Eine Kiste, ein Platz. Alles, was du für das Hobby brauchst, kommt in eine Kiste, die du in einer Minute raus- und wieder wegräumen kannst. Diese eine Regel hat mehr meiner Hobbys gerettet als jede Willenskraft.
  • Probier es erst mal geliehen aus. In der Bücherei, bei Freunden oder in einem einmaligen Workshop. Du willst ja nur testen, ob es sich gut anfühlt, und musst dich nicht gleich fürs Leben festlegen.
  • Lass es aufgebaut, wenn du kannst. Eine Ecke, in der alles bereitsteht, ist besser als jeder perfekt sortierte Schrank.
  • Gib ihm vier Versuche. Einmal sagt nur etwas über deine Laune. Nach viermal weißt du wirklich Bescheid.

Ein Hobby aufzugeben heißt nicht, dass du gescheitert bist

Die meisten von uns haben einen ganzen Friedhof halb fertiger Projekte und schämen sich dafür. Ich möchte dir einen anderen Blick darauf mitgeben: Ein Hobby, das du zwei Monate lang geliebt hast, war ein gelungenes Hobby. Es ist kein Abo, das du bis ans Lebensende weiterlaufen lassen musst.

Auch abwechseln ist völlig in Ordnung. Du hast drei Sachen am Laufen und machst die, auf die du heute Lust hast. Vermeiden solltest du nur, dir jedes Mal in der ersten Begeisterung teure Ausrüstung zu kaufen.

Und wenn du merkst, dass du am Ende immer wieder beim Malen landest, ist es irgendwann kein Hobby mehr, sondern etwas, das fest zu deinem Leben gehört. Wie das bei mir war, erzähle ich in Als autistische Künstlerin mit ADHS.

Cloudy with the Chance of Frogs, handsignierter Print von Paintranger: bunte Frösche mit Regenschirmen in einer verspielten Regenszene

Zwei einfache Möglichkeiten, heute Abend anzufangen

Wenn die Hürde so niedrig wie möglich sein soll: Meine Ausmalbilder sind die Linien meiner eigenen Bilder. Der Bildaufbau steht also schon, und du kümmerst dich nur um die Farben. Außerdem gibt es kostenlose Downloads, falls du es erst mal ausprobieren willst, ohne Geld auszugeben.

Und wenn du heute lieber Kunst anschauen als selbst machen willst, ist das auch ein schöner Abend. Die handsignierten Prints kosten 35 Euro, und warum du dir ruhig auch einfach selbst Kunst kaufen darfst, steht in Kunst für sich selbst kaufen.

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