Was ist Camp? Warum meine Kunst absichtlich zu viel ist
Claudia SchmidtTeilen
Kleiner Hinweis: Ich schreibe alles hier zuerst auf Englisch. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, da kann sich mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, sag mir gern Bescheid.
Manche Dinge sind absichtlich schlecht, auf eine Art, die sie besser macht, als wenn sie versucht hätten, gut zu sein. Das ist im Grunde die ganze Idee von Camp, und für meine Bilder eine deutlich nützlichere Brille als die meiste echte Kunstkritik.

Was Camp eigentlich bedeutet
Die Schriftstellerin Susan Sontag hat versucht, die Idee 1964 in ihrem Essay Notes on Camp richtig zu fassen, und ihre Kurzversion war: Camp liebt Übertreibung, Künstlichkeit und Theatralik um ihrer selbst willen. Es ist das B-Movie-Monster, das eindeutig ein Typ im Gummianzug ist, und man liebt es trotzdem, vielleicht sogar deswegen. Es ist ein Look, der so extra ist, dass Ernsthaftigkeit und Ironie aufhören, Gegensätze zu sein, und einfach dasselbe werden. Camp fragt nicht, ob etwas geschmackvoll ist. Es fragt, ob etwas sich voll reinhängt.
Trash-Horrorfilme sind der einfachste Ort, um das zu sehen: kleine Budgets, große Dramatik, Dialoge, die niemand als gute Literatur verteidigen würde, und trotzdem funktioniert das Ganze, weil es sich für nichts davon jemals entschuldigt. In dem Moment, in dem sich etwas Campiges für sich selbst schämt, hört es auf, Camp zu sein, und wird einfach nur schlecht.
Warum sich meine Kunst auch nicht entschuldigt
Ricochet, oben abgebildet, ist so campig, wie ich absichtlich werde: ein Einhorn, das mitten im Flug von einem Pfeil getroffen wird, tratschende Gänse, ein freundlicher Oktopus, Glitzer, Pizza, alles um mehrere Stufen höher gedreht, als der eigentliche emotionale Inhalt des Bildes eigentlich bräuchte. Das ist kein Fehler im Konzept. Das Zuviel ist der Punkt. Eine ruhigere Version desselben Bildes würde weniger sagen, nicht mehr, weil Camp über Lautstärke funktioniert, nicht trotz ihr.
Sweet Horror läuft auf demselben Motor. Ein rauchender Gummibär neben einem Totenkopf-Cupcake sollte eigentlich nicht als ernsthafte künstlerische Aussage funktionieren, und er versucht es auch gar nicht erst. Er hängt sich voll rein, genau so viel zu sein, wie er ist, und das ist die einzige Regel, die Camp tatsächlich hat.
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Ricochet und die restlichen lautesten, kompromisslosesten Bilder findest du in der Kollektion der handsignierten Drucke. Wenn Sweet Horror als eigene Geschmacksrichtung von zu viel dein Ding ist, geht mein Guide zur Cute-Creepy-Ästhetik noch tiefer in diese Richtung.
Danke, dass du ein Einhorn, das von einem Pfeil getroffen wird, völlig ernst als künstlerische Aussage nimmst. Genau das ist die richtige Reaktion.