The Candy Decay Apartment: A Look Inside My Brain

The Candy Decay Apartment: ein Blick in mein Gehirn

Claudia Schmidt

Kleiner Hinweis: Ich schreibe alles hier zuerst auf Englisch. Die deutschen Fassungen der Journal-Artikel sind Übersetzungen, da kann sich mal ein Fehler oder eine holprige Formulierung einschleichen. Wenn dir etwas auffällt, sag mir gern Bescheid.

So sähe mein Gehirn aus, wenn es eine Wohnung wäre.

Bunt, vollgestopft, nostalgisch, leicht chaotisch und voller Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen sollten und es trotzdem tun. The Candy Decay Apartment ist eines dieser Bilder, die mir besonders nah gehen, weil es gar nicht um einen Raum geht. Es geht darum, wie es sich anfühlt, in meinem Kopf zu leben.

Da drin ist ziemlich viel los. Objekte, Farben, Erinnerungen, kleine Witze, Dinge, die trösten, und Dinge, die sich ein bisschen falsch anfühlen. Das ist Absicht. Mein Gehirn ist selten leise. Ich habe ADHS, da laufen tausend Gedanken gleichzeitig. Ideen hängen sich an andere Ideen, winzige Details werden plötzlich extrem wichtig, eine Sache erinnert mich an etwas völlig Zusammenhangloses, und am Ende lande ich ganz woanders.

Gleichzeitig liebt mein autistisches Gehirn Vertrautheit. Dinge, die ich schon kenne. Objekte, an die ich mich erinnere. Bestimmte Farben, Texturen, Spielzeuge, Spiele und visuelle Details, die sich allein deshalb sicher anfühlen, weil sie schon einmal bei mir waren. Wahrscheinlich fühlt sich diese Wohnung deshalb so sehr nach den späten 90ern und frühen 2000ern an. Ich sammle altes Spielzeug und Objekte aus dieser Zeit auch im echten Leben. Sie haben etwas unglaublich Beruhigendes.

Aber Nostalgie ist seltsam. Sie tröstet, und sie kann trotzdem wehtun. Weil du eben nicht zurückkannst. Du kannst die Farben nachbauen, das Spielzeug wiederfinden, dieselben Lieder hören, dieselben Objekte in den Händen halten. Aber die Welt, zu der sie gehört haben, ist weg. Daher kommt, glaube ich, ein Teil dieses leicht beunruhigenden Gefühls in dem Bild.

Auf den ersten Blick sieht die Wohnung lustig aus. Hell, bunt, voller vertrauter Dinge. Aber je länger du hinschaust, desto merkwürdiger werden die kleinen Details. Da steht „Play Again?“, als wäre das Leben ein bizarres Spiel, das dir vielleicht noch eine Runde anbietet, wenn diese hier vorbei ist.

Auf dem Tisch liegt ein Buch mit dem Titel „How to Be Nice“. Für mich ist das zum Teil ein Witz über Autismus und dieses Gefühl, dass alle anderen eine soziale Bedienungsanleitung bekommen haben, die bei mir nie angekommen ist. Es gibt all diese unsichtbaren Regeln, die andere automatisch zu verstehen scheinen, während ich manchmal immer noch dabei bin, überhaupt herauszufinden, wie die Regeln lauten.

Und dann ist da der Zahn. Ein riesiger Zahn mitten in dieser bunten kleinen Welt. Er erinnert mich an diese Träume, die offenbar so viele Menschen haben, in denen die Zähne plötzlich wackeln oder ausfallen. Ich finde solche Träume faszinierend, weil sie so universell und so tief unangenehm sind. Es passiert nichts ausdrücklich Schreckliches, aber dein ganzer Körper versteht sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.

Dieses Gefühl ist wichtig für Candy Decay. Dinge können süß und unangenehm zugleich sein. Etwas kann sich sicher anfühlen und dich gleichzeitig daran erinnern, dass Sicherheit vorübergeht. Nostalgie kann dich im selben Moment glücklich und traurig machen. Schöne Dinge können verfallen. Vertraute Dinge können verschwinden. Vielleicht halten wir sie auch deshalb so fest.

The Candy Decay Apartment ist ein Ort, an dem ich vermutlich sehr gern wohnen würde. Bunt, seltsam, voller Objekte, die ich liebe, und komplett überladen mit winzigen Dingen zum Entdecken. Ich glaube aber auch, dass ich irgendwann von dort fliehen wollen würde.

Was ziemlich genau beschreibt, wie es ist, in meinem Gehirn zu leben.

Willkommen im Candy Decay Apartment.

Wenn du mehr darüber wissen willst, warum ich diese kleinen Stücke Vergangenheit sammle und festhalte, kannst du Things I Wanted to Keep hier lesen.

Falls dir diese vollgepackte, wuselige Detailflut bekannt vorkommt: Warum sich ein bisschen zu viel so gut anfühlen kann, habe ich in More Is More: Warum ADHS-Gehirne ein bisschen zu viel lieben ausführlicher aufgeschrieben.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.